17. März 2026, erschienen auf dem Blog des Institut solidarische Moderne
Auszug:
“…Die vermeintliche Interessengemeinschaft wird mittels der Kategorie Nation zusammengeschweißt. Standort-Nationalismus hat insofern auch den Effekt von Herrschafts-sicherung. Er übertüncht mit dem nationalen „Wir“ die Klassengegensätze. Das ist die Basis, auf der die Lohnabhängigen über Grenzen hinweg gegeneinander ausgespielt werden können. Die Drohung lautet: Wenn ihr es nicht billiger macht, gehen wir ins Ausland.
Menschen, die „uns“ in solchen Zeiten „auf der Tasche liegen“, sollen dann entweder staatliche Leistungen gekürzt oder gar gestrichen bekommen oder gleich – wenn sie keine Deutschen sind – aus dem Land geworfen werden. Die „imaginierte Gemeinschaft“ der Nation konstruiert mit dem „Wir“ automatisch „die Anderen“: die, die nicht dazugehören.
Es ist wenig überraschend, dass Nationalismus die Abwertung von Minderheiten begünstigt und Nationalstolz positiv mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit korreliert. Der Mangel an Solidarität, der in neoliberalen Zeiten oft beklagt wird, rührt nicht nur aus einer verschärften Wettbewerbslogik, sondern auch aus dem Glauben an das ideologische Konstrukt „unsere Wirtschaft“. Wer ihrem Wohl im Wege steht bzw. nicht mit Fleiß und unter Aufbringung von Opfern dazu beiträgt, soll weg. Nationalismus ist dabei kein Alleinstellungsmerkmal rechter Weltanschauung. So kommt beispielsweise die ständige Beschwörung von Deutschlands Abstieg im internationalen Ranking direkt aus der demokratischen Mitte. Die Rechten müssen die Maßstäbe, die die gemäßigten Parteien anlegen, nicht erfinden, „sie liegen bereits vor und werden nur noch radikaler angewandt“….”
